Aktuelles Recklinghausen

Um die Zusammenarbeit zwischen Jugendamt, Schulen und Trägern des Offenen Ganztags (OGS) weiter zu stärken, haben Vertreter*innen der Stadt Recklinghausen, der Schulen und der OGS-Träger am Mittwoch, 14. Oktober, im Rathaus eine neue Kooperationsvereinbarung zum Kinderschutz unterzeichnet.
Die Vereinbarung ersetzt die bisherige Fassung aus dem Jahr 2008 und trägt den veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen Rechnung. Insbesondere der Offene Ganztag, der heute für viele Kinder ein wichtiger Lebens- und Lernort ist, wird in der Vereinbarung nun gezielt integriert, was den ganzheitlichen Gedanken des Kinderschutzes verstärkt. Erarbeitet wurde die neue Vereinbarung durch die Fachleute des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie.
„Ich freue mich sehr, dass wir mit dieser Kooperationsvereinbarung unsere Zusammenarbeit im Kinderschutz stärken und verbindlicher gestalten. Denn Kinderschutz gelingt nur, wenn wir alle gemeinsam Verantwortung übernehmen, unsere Erfahrungen zusammenbringen und uns aufeinander verlassen können. Mir ist wichtig, dass wir nicht nur vereinbaren, wie wir zusammenarbeiten wollen, sondern dass wir diese Zusammenarbeit im Alltag auch leben – zum Wohl der Kinder“, sagte die Erste Beigeordnete Silke Ehrbar-Wulfen in ihrem Grußwort vor rund 80 Vertreter*innen von Schulen und Trägern des Offenen Ganztages.
Eine Vereinbarung allein schütze zwar kein Kind, so Ehrbar-Wulfen weiter. Sie schaffe jedoch Verlässlichkeit, klare Ansprechpartner und sichere Abläufe. „Wir wollen gemeinsam hinschauen, miteinander sprechen und füreinander ansprechbar sein. Denn jedes Kind hat Erwachsene verdient, die frühzeitig merken, wenn etwas nicht stimmt und die dann auch gemeinsam handeln.“
Auch Dr. Sebastian Sanders, Beigeordneter für Bildung und Sport, Soziales und Wohnen, Jobcenter sowie Kinder, Jugend und Familie, betonte die Bedeutung der neuen Vereinbarung: „Die Rahmenbedingungen haben sich seit Abschluss der ersten Kooperationsvereinbarung im Jahr 2008 erheblich verändert. Damals spielte der Offene Ganztag noch kaum eine Rolle, zudem hat sich auch die Gesetzeslage deutlich weiterentwickelt. Ich bin froh, dass wir nun mit der neuen Kooperationsvereinbarung eine verbindliche Grundlage haben. Davon profitieren alle Beteiligten.“
Begrüßt wurde die neue Kooperationsvereinbarung auch durch Schulrätin Stefanie Schoppmann. „Unser Ziel muss sein, Schule zu einem sicheren Ort zu machen. Dafür gibt es keine Garantie, aber egal, wo wir in der Schule arbeiten, muss das unsere Haltung und unser Handeln bestimmen. Wir müssen sicher darin sein, was wir tun, wenn Kinder nicht in Sicherheit sind. Dazu kann die heute geschlossene Kooperationsvereinbarung sicher einen wichtigen Beitrag leisten“, sagte die Vertreterin des Kreises Recklinghausen.
Ziel der Vereinbarung ist ein aktiver und wirksamer Kinderschutz in Recklinghausen. Dazu sollen die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure gestärkt, der fachliche Austausch intensiviert und ein gemeinsames Verständnis von Rollen, Verantwortlichkeiten und Schnittstellen geschaffen werden. Bestehende Strukturen werden dabei nicht ersetzt, sondern weiterentwickelt und verbindlich miteinander verzahnt.
Wie wichtig ein funktionierendes Netzwerk ist, zeigen auch die aktuellen Zahlen. Wurden 2025 durch Jugendämter in Nordrhein-Westfalen insgesamt 18.647
akute Kindeswohlgefährdungen festgestellt, waren es 2012 lediglich 8.822 Fälle. Leider steigen die Zahlen auch in Recklinghausen. Für das laufende Jahr 2026 wurden bereits bis Ende September 67 entsprechende Meldungen an Schulen registriert, für das gesamte Vorjahr waren es 59.
Unmittelbar vor der Unterzeichnung diskutierten Fachleute aus Jugendhilfe, Schule, Schulsozialarbeit, Offenem Ganztag und der Kinderschutzberatung in einer moderierten Gesprächsrunde anhand eines Praxisbeispiels über gelingende Kooperation im Kinderschutz. Im Mittelpunkt standen Fragen nach den jeweiligen Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Handlungsmöglichkeiten der unterschiedlichen Professionen sowie nach dem Zusammenspiel der Beteiligten.
Die neue Kooperationsvereinbarung soll allen Beteiligten mehr Handlungssicherheit geben, Hemmschwellen beim Austausch abbauen und dazu beitragen, dass Hinweise auf mögliche Kindeswohlgefährdungen frühzeitig erkannt, gemeinsam bewertet und konsequent bearbeitet werden. Schulen und der Offene Ganztag verstehen sich dabei als wichtige Schutzorte für Kinder und Jugendliche.
Pressefoto:
Mehr als 80 Vertreter*innen aus Schulen und aus Reihen der OGS-Träger waren bei der Veranstaltung zur Unterzeichnung der neuen Kooperationsvereinbarung im Rathaus zu Gast. Begrüßt wurden sie durch die Erste Beigeordnete Silke Ehrbar-Wulfen und den Dezernenten Dr. Sebastian Sanders. Foto: Stadt RE



















