Aktuelles Recklinghausen

Mehr als 80 Gäste, darunter zahlreiche Weggefährt*innen aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft sowie die Familie des Verstorbenen, erwiesen dem Träger der Großen Stadtplakette im Großen Sitzungssaal des Rathauses die letzte Ehre.
Bürgermeister Axel Tschersich würdigte Borggraefe als eine herausragende Persönlichkeit, deren Weitsicht, Verantwortungsbewusstsein und Gestaltungskraft Recklinghausen über Jahrzehnte nachhaltig geprägt haben.
„Wir nehmen Abschied von einem ehemaligen Stadtdirektor und Bürgermeister, von einem leidenschaftlichen Kommunalpolitiker, von einem versierten Historiker und klugen Ratgeber. Vor allem aber nehmen wir Abschied von einem Menschen, der Verantwortung übernommen, anderen vertraut und unserer Stadt vieles hinterlassen hat, das über seine Amtszeit hinaus Bestand haben wird“, sagte Axel Tschersich in seiner Rede.
Der Bürgermeister würdigte den Verstorbenen auch aus einer sehr persönlichen Perspektive. „Peter Borggraefe erkannte Talente. Er ermutigte Menschen, Verantwortung zu übernehmen. Er eröffnete Wege und gab anderen die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Das war eine besondere Form von Führung: nicht selbst im Vordergrund stehen zu müssen, sondern andere stark zu machen. Er hat auch mir selbst früh Aufgaben zugetraut und mich gefördert. Sein Lebenswerk bestand nicht nur aus weitsichtigen und wichtigen Entscheidungen. Es lebt auch in Menschen fort, die durch ihn ermutigt, geprägt und auf ihrem Weg unterstützt wurden.“
Deutlich sichtbare Spuren des Schaffens von Peter Borggraefe sind bis heute die Ansiedlungen von Fachhochschule und Justizakademie, die Gründung des Jugendsinfonieorchesters, der Umbau des Ruhrfestspielhauses zum Kongress-Zentrum oder die Begründung der Städtepartnerschaft mit dem thüringischen Schmalkalden. „Und nicht zu vergessen, hat er erkannt, dass die Bedeutung der Ruhrfestspiele für unsere Stadt weit über die Kultur hinausgeht und erfolgreich deren Neuausrichtung betrieben“, sagte Axel Tschersich.
Mit bewegenden Worten erinnerte anschließend Betina Borggraefe an ihren Vater und zeichnete das Bild eines Menschen, der sein kommunalpolitisches Wirken stets als Dienst an der Gesellschaft verstand. „Ich habe meinen Vater schon in jungen Jahren zu vielen dienstlichen Terminen und Anlässen begleitet. Von ihm habe ich dann auch bereits früh gelernt, dass es lohnt, sich für unser Gemeinwesen einzusetzen. Besonders sind mir gemeinsame Besuche in den Partnerstädten in Erinnerung geblieben. Es würde mich insbesondere freuen, wenn Recklinghausen die Kontakte nach Akko in Israel wieder intensiviert.“
In einer Gesprächsrunde, die von Stadt-Pressesprecher Hermann Böckmann moderiert wurde, blickten Weggefährten wie der Ex-Beigeordnete Hajo Bajon, der ehemalige CDU-Bürgermeister Wolfgang Pantförder und SPD-Fraktionschef Frank Cerny zurück und erinnerten auch mit der ein oder anderen Anekdote eindrucksvoll an einen Mann, der stets das Wohl der Stadt Recklinghausen im Auge gehabt hat. Dabei half ihm insbesondere auch sein gutes Netzwerk, das er stets intensiv pflegte.
Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski berichtete, wie groß bis heute das Ansehen ist, das Peter Borggraefe in der Partnerstadt genießt. „Er war nach der Wiedervereinigung in vielfacher Hinsicht Motor der Städtepartnerschaft. Er hat Schmalkalden beim Umbau der Verwaltung unterstützt, indem er Fachleute aus den eigenen Reihen nach Thüringen geschickt hat. Auf seine Initiative hin wurden medizinische Hilfstransporte organisiert und nicht zuletzt hat er auch Recklinghäuser Unternehmer nach Schmalkalden gebracht. Er hat die Kontakte auch nach dem Eintritt in den Ruhestand nie abreißen lassen“, erklärte Thomas Kaminski. Die Verdienste von Borggraefe habe die Partnerstadt bereits 1999 mit der Verleihung der Ehrenmedaille gewürdigt.
Für die Westfälische Hochschule würdigte Prof. Bernd Kriegesmann die Verdienste des Verstorbenen. Der Rektor der Hochschule erklärte: „Sein Engagement für einen Hochschulstandort in Recklinghausen kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Johannes Rau hat bereits früh die Weichen für den Ausbau der Hochschullandschaft in NRW gestellt. Peter Borggraefe war es dann, der das Potenzial erkannt und die universitäre Bildung und Wissenschaft in die Emscher-Lippe-Region gebracht hat. Das wird auf ewig mit seinem Namen verbunden bleiben.“
Die Trauerfeier machte deutlich: Peter Borggraefe hat Recklinghausen nicht nur über Jahrzehnte hinweg geführt und gestaltet. Er hat Entwicklungen angestoßen, die bis heute nachwirken, und Spuren hinterlassen, die das Profil der Stadt dauerhaft prägen. Sein Lebenswerk bleibt untrennbar mit der Geschichte Recklinghausens verbunden.
Im Anschluss an den offiziellen Teil der Gedenkfeier trugen sich die Teilnehmer*innen in ein von der Stadt ausgelegtes Kondolenzbuch ein.
Foto (Stadt RE): Mit einer würdevollen Gedenkfeier erinnerte die Stadt Recklinghausen an die Verdienste ihres langjährigen Stadtdirektors und ehemaligen Bürgermeister Peter Borggraefe.



















