3.18 Widerstandsaktionen

An den Widerstand gegen das NS-Regime erinnern in Recklinghausen einige Straßennamen: Dietrich Bonhoeffer, Fritz Husemann, Geschwister Scholl, Bernhard Letterhaus, Claus Graf Schenk von Stauffenberg u.a.. Mit dem militärischen Widerstand der Männer des 20. Juli 1944 ist Recklinghausen in besonderer Weise verbunden. Einer der Hauptorganisatoren des Attentats auf Hitler, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, war von 1928 bis 1932 Regierungsassessor im Kreishaus am Herzogswall 17 in Recklinghausen. Der Regierungsassessor war ab 1930 für die Reorganisation der Kreisverwaltung mit zuständig.

Ein Bronze-Relief seiner Schwester Tisa von der Schulenburg, erinnert im neuen Kreishaus an sein Wirken. Das Relief trägt als Inschrift die letzten Worte von der Schulenburgs vor dem Volksgerichtshof:

„Wir haben diese Tat auf uns genommen,
um Deutschland vor einem namenlosen Elend zu bewahren.
Ich bin mir klar, dass ich daraufhin gehängt werde,
bereue meine Tat aber nicht und hoffe,
dass sie ein anderer in einem glücklicheren Augenblick ausführen wird.“

Der 1902 in London geborene Verwaltungsjurist Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg studierte Jura in Göttingen und Marburg. Sein Assessorenexamen bestand er 1928 in Potsdam. Als Assessor des Kreises Recklinghausen (1928 bis 1932) suchte er bewusst die Nähe zur Arbeiterschaft in Recklinghausen und wurde wegen seiner Beziehung sowohl zu Kommunisten als auch zur NSDAP, deren Mitglied er Ende 1932 wurde, 1933 nach Ostpreußen versetzt. 1933 heiratete er Charlotte Kotelmann, mit der er fünf Töchter und einen Sohn hatte.

Im Oberpräsidium in Königsberg galt er als der „rote Graf“, um den sich eine Gruppe unkonventionell denkender Freunde scharte, die sich von den Ideen Gregor Strassers leiten ließen. Die von ihm aus der Nähe beobachtete Herrschaftsausübung der Nationalsozialisten stieß ihn zunehmend ab. Nach der Ermordung von politischen Gegnern und hohen SA-Führern Ende Juni 1934 wuchs seine Distanz zum Nationalsozialismus. Im November 1934 wurde er Landrat in Fischhausen, 1937 stellvertretender Polizeipräsident von Berlin, zwei Jahre später Regierungspräsident und Vertreter des Oberpräsidenten in Breslau und galt bald als „politisch untragbar“.

1938 kam er mit der militärischen Opposition in Verbindung. Als Reserveoffizier des Potsdamer Infanterieregiments 9 wurde er 1940 eingezogen. Schulenburg hielt Kontakt zu verschiedenen oppositionellen Gruppen und ihren Akteuren wie Goerdeler, Stauffenberg, Moltke, Popitz und Beck. Auf Grund seiner umfassenden Verwaltungserfahrung mit großer Verwendungsbreite bereitete er vor allem den personellen Neuanfang nach vollzogenem Regimewechsel vor. Vorgesehen als Staatssekretär des designierten Innenministers Leber (SPD), gehörte er bis zuletzt zum engsten Kreis der Verschwörer.

Nach dem gescheiterten Umsturz wurde er am späten Abend des 20. Juli 1944 im Berliner Bendlerblock festgenommen, am 10. August vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und noch am selben Tag in Berlin-Plötzensee ermordet.

Sein Tod als Widerstandskämpfer bestimmte wesentlich das Leben und Wirken seiner Schwester Tisa von der Schulenburg, die nach dem Krieg als Ordensschwester in das Ursulinenkloster in Dorsten eintrat. Als Künstlerin war sie weit über die Region des Vestes hinaus bekannt geworden. Viele Werke Tisas, die sich selbst als „engagierte Künstlerin“ bezeichnete, setzen sich thematisch mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen auseinander und finden sich im öffentlichen Raum Recklinghausens und des Ruhrgebietes mit Plastiken oder in Ausstellungen wieder.

Graf von der SchulenburgGraf von der Schulenburg (erste Reihe, 5. v. r. mit Hut und Akte in der Hand) vor dem Dorstener Ehrenmal. Mit auf dem Bild Landrat Schenking (5. v. l.) und Dorstens Bürgermeister Dr. Lürken (6. v. l.). Es ist das einzig bekannte Foto aus der Recklinghäuser Zeit. Foto: www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de (Hg.: Wolf Stegemann)

[Albert Krebs: Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg. Zwischen Staatsraison und Hochverrat. Hamburg 1964. Wolf Stegemann, Thomas Ridder: Der 20. Juli 1944. Die Schulenburgs - Eine Familie im tragischen Konflikt zwischen Gehorsam und Hochverrat. Eine Dokumentation des Vereins für jüdische Geschichte und Religion - Katalog und Lesebuch, Dorsten 1994.]

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