2.18 Propaganda um die „Reichsautobahn“

Zu den wirkungsgeschichtlich prägnantesten Maßnahmen des NS-Regimes gehörten die vom „Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen“, Fritz Todt, propagandistisch erfolgreich Hitler zugeschriebenen „Straßen des Führers“. Mit der Autobahn ziehe sich ein „vom Führer geschaffenes, achtungsgebietendes Bauwerk […] durch unsere Stadt, von seinem Willen kündend, die Geißel der Arbeitslosigkeit zu vernichten“. Als Zeugnisse „nationalsozialistischer Aufbauarbeit“ und des „Volkes Wiederaufstieg“ wurden Planung und Bauarbeiten in Publizistik und auf Kundgebungen denn auch gewürdigt.

Dabei griff das Dritte Reich mit dem Autobahngesetz vom 27.06.1933 auf Planungen und Vorbereitungen kreuzungsfreier Fernstraßen aus der Zeit der Republik zurück. So war auf Recklinghäuser Stadtgebiet als Verlängerung einer projektierten Linie Oberhausen-Bottrop-Buer bereits von Oberbürgermeister Sulpiz Hamm nach Verhandlungen mit dem Ruhrsiedlungsverband 1929 – 31 eine potenzielle Ost-West-Trasse freigehalten worden. Am 05.09.1933 begannen mit einem Treffen kommunaler Vertreter mit dem Siedlungsverband in Essen die konkreten Verhandlungen, die der Stadt u. a. die heute noch existierende Autobahnabfahrt („Bahnhof Ost“) an der Herner Straße, der damaligen Reichsstraße 51, bescherte. Bereits Ende 1933 wurde der Bevölkerung das Autobahnprojekt Köln – Industriegebiet – Berlin als „persönliche Initiative Adolf Hitlers“ vorgestellt. Die örtliche Bauleitung wurde im Hochbauamt, Görresstr. 5, untergebracht.

Unter größtem propagandistischen Aufwand wurde der 1. Spatenstich am „Jahrestag des Tages von Potsdam“, dem 21. März 1934, durch Gauleiter Dr. Meyer, der seinen politischen Aufstieg in Gelsenkirchen begonnen hatte, südlich von Schloss Berge in Buer als Großkundgebung gestaltet. Am selben Tag fand auf der Trabrennbahn Recklinghausen eine „Großoffensive der Arbeitsschlacht“ (NZ 21.03.1934) mit allen Notstandsarbeitern statt, deren krönender Höhepunkt die Rundfunkübertragung der Hitlerrede zum Spatenstich der Autobahn München – Salzburg war. Eingebettet in die Bedeutung, die das Regime Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung zumaß, erlangte der Autobahnbau in Recklinghausen nationale Bedeutung. Unter den etwa 800 Arbeitern des Streckenabschnitts befanden sich auch 300 Recklinghäuser Erwerbslose, die gegen eine unentgeltliche Mahlzeit und einen kleinen Lohn harte Arbeiten verrichteten; sechs Bauunternehmen aus der Stadt waren mit Aufträgen beteiligt.

Am 17.12.1937 erhielt die Stadt den Zuschlag für die große Einweihungsfeier. Vor 3500 „Schaffenden an den Straßen des Glaubens“ lobte Dr. Meyer in der Werkshalle des Reichsbahnausbesserungswerkes das „Weihnachtsgeschenk“ Hitlers, das aus freudlosen Proletariern stolze Menschen“ gemacht habe, ehe er mit der Fahrt über die Autobahnauffahrt Recklinghausen/Herne den Streckenabschnitt eröffnete. Die organisatorische Glanzleistung Bürgermeister Rottmanns führte dazu, dass kaum ein Jahr später die feierliche Eröffnung des Streckenabschnitts nach Bielefeld der Autobahn Köln – Berlin ebenfalls in der Stadt zelebriert wurde.

National-Zeitung 13.11.1935

National-Zeitung 13.11.1938

Diesmal kam Generalinspekteur Fritz Todt, inzwischen auch Chef des Reichsarbeitsdienstes, persönlich. Nach Rathausempfang und Stadtrundfahrt durch das Spalier jubelnder Hitlerjugend eröffnete er am 12.11.1938 die Autobahn.

Dabei stellte Todt, inzwischen auch zuständig für den Bau des Westwalls, der militärischen Befestigungsanlage an der französischen Grenze selbst unverhüllt und offen den politisch-militärischen Bezug der Reichsstraßen heraus: „Als Symbole des Glaubens an Adolf Hitler … und an die Ewigkeit des Dritten Reiches“ gebaut, bänden sie die „Ostmark und den Sudetengau fester an das Reich“. Die klare Verbindung von Autobahnbau und der militärischen Okkupation Österreichs und der sudetendeutschen Gebiete der CSR ergänzte er durch einen weiteren Bezug: Durch die Heraufsetzung der Arbeitsleistung um 30 Prozent habe man es zudem geschafft, zeitgleich mit den Autobahnen auch den Westwall zu errichten. Zwölf Menschen hatten als „Arbeitshelden“ ihr Leben lassen müssen. Keine zehn Monate später rollten über die Reichsautobahnen die Angriffsarmeen gegen Polen und später gegen Frankreich.

[Vgl. 2.19 „Die Straße des Führers“ (Autobahn A2), in: Geck, Möllers, Pohl, „Wo du gehst und stehst…", Stätten der Herrschaft, der Verfolgung und des Widerstandes in Recklinghausen 1933-1945, Recklinghausen 2002, S. 98-99]

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