1.05 Die Recklinghäuser SA

Das Haus Herzogswall 14 war während der NS-Zeit die Machtzentrale der nationalsozialistischen „Sturm-Abteilung“ (SA). Hier, im „Haus der SA“, befanden sich die Dienststellen der SA-Brigade 70 und der SA-Standarte 143. Die SA war das bevorzugte Vollzugsorgan der NSDAP-Machthaber, wenn es um die Ausführung von Terrorakten ging. So waren es SA-Leute, von Ministerpräsident Göring zur „Hilfspolizei“ ernannt, die 1933 politische Gegner verhafteten und misshandelten. Es waren SA-Leute, die den Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 organisierten.

Zwei Beispiele für Gewalt gegen vermeintliche oder wirkliche Regimegegner:

Im Sommer 1933 fanden die ersten Kirchenwahlen nach der sogenannten „Machtergreifung“ statt. Damals standen sich Anhänger der „Deutschen Christen“ (DC) und der Bekenntnisfront „Evangelium und Kirche“ (später: BK) gegenüber. Die DC wollte die Gleichschaltung von NS-Staat und Kirche und übernahm auch Bestandteile der nationalsozialistischen Weltanschauung in ihre Lehre, während die BK die kirchliche Eigenständigkeit und die Freiheit der Verkündigung des Evangeliums vertrat.

Anfang Juli fand eine Wahlversammlung der Bekenntnisfront im evangelischen Gemeindehaus an der Hohenzollernstraße statt. Pfarrer Wilhelm Geck (Jg. 1922), Leiter der Wahlkundgebung und später der führende Kopf der Bekennenden Kirche in Recklinghausen, erinnert sich: „Gleich zu Beginn der Veranstaltung erschien SA-Standartenführer Paul Faßbach mit einem Aufgebot von Männern. Diese bildeten gewissermaßen ein `Rollkommando`, setzten sich auf die Heizkörper und trampelten mit ihren Stiefeln dagegen, wenn ihnen der Verkauf der Versammlung nicht mehr gefiel. Schließlich ergriff Pg Faßbach unaufgefordert das Wort und machte Propaganda für die politischen Ziele der NSDAP. Die Wahlversammlung wurde dadurch […] geradezu gesprengt.“ 

In der National-Zeitung am 25.7.1933 las sich das so: „In gerechter Empörung übernahm Standartenführer Pg Faßbach die Leitung der Versammlung und verstand es mit Hilfe seiner SA-Männer, sich schnell Gehör zu verschaffen. Klipp und klar setzte er den wahren Sachverhalt auseinander. Wenn heute die Kirche noch besteht, so ist das nicht der geschlossenen Front der Pastorenschaft zu danken, sondern der braunen Armee Adolf  Hitlers, die Deutschland vor dem Bolschewismus rettete …“

Im November 1938 waren es SA-Leute, die den Judenpogrom in Recklinghausen organisierten. Sie waren es in erster Linie, die in Wohnungen jüdischer Familien eindrangen, deren Bewohner einschüchterten, die Möbel demolierten oder gar durch die geschlossenen Fenster auf die Straßen warfen. SA-Brigadeführer  Vogel, zugleich Polizeipräsident, ließ die jüdischen Männer in der Nacht des 9./10. November zusammenholen und auf dem Vorplatz des Polizeipräsidiums antreten, um sie Freiübungen machen zu lassen. Dienstgebäude SA-Brigade 70Vor dem „Haus der SA“  am Herzogswall hing nicht von ungefähr einer der berüchtigten „Stürmer-Kästen“. In diesem Schaukasten wurde wöchentlich  „Der Stürmer“, ein antisemitisches Hetzblatt, ausgehängt.

Das einzige Ziel des „Stürmers“ war die Judenhetze. So stand in jeder Ausgabe unübersehbar der Satz „Die Juden sind unser Unglück“.

Brunhilde Verstege erinnerte sich: „Mitte der 30er Jahre hatte meine Mutter – wie so oft – zusammen mit mir und meinem kleinen Bruder in einem jüdischen Geschäft der Stadt eingekauft und war auch nicht behelligt worden. Als sie jedoch einige Zeit später an dem „Stürmer-Kasten“ vor dem „Haus der SA“ vorbei kam, traute sie kaum ihren Augen. Sie sah dort nämlich ein Foto, das sie und ihre Kinder vor einem stadtbekannten jüdischen Geschäft zeigte. Unter dem Foto stand: „Wer kennt diese Frau, die bei Juden kauft?“ Man hatte uns heimlich fotographiert und wollte uns mit der Veröffentlichung als „undeutsch“ diskriminieren. Denn damals gaben die Nationalsozialisten die Devise „Deutsche kauft nicht bei Juden!“ aus.

Das Haus gegenüber der heutigen VHS wurde in der Nachkriegszeit zugunsten einer Verbindungsstraße vom Wall zur Dorstener Straße abgerissen.

[Vgl. 1.5 „SA marschiert“ (Herzogswall 14), in: Geck, Möllers, Pohl, „Wo du gehst und stehst…“, Stätten der Herrschaft, der Verfolgung und des Widerstandes in Recklinghausen 1933-1945, Recklinghausen 2002, S. 21-23]

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