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Titel
Lesung und Diskussion: Quo vadis, Kultur?
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Miriam D.
Einleitung
Ist Kultur ein Grundrecht für alle oder ein Privileg derer, die es sich leisten können? Diese Frage steht am Dienstag, 1. Dezember, um 19 Uhr, im Fokus einer Lesung mit Podiumsdiskussion in der Stadtbibliothek. Im Mittelpunkt steht das Buch „Das können wir uns nicht leisten“ von Miriam Davoudvandi.
Haupttext

Die Autorin erzählt darin eindringlich, was es bedeutet, in Deutschland in Armut aufzuwachsen und wie sehr fehlendes Geld über Teilhabe, Chancen und gesellschaftliche Zugehörigkeit entscheidet. Auf die Lesung folgt eine Podiumsdiskussion, die nicht bei der Diagnose stehen bleiben soll: Was muss sich ändern, damit Kultur tatsächlich allen offensteht? Durch den Abend führt Katty Salié, bekannt als Moderatorin des ZDF-Kulturmagazins „aspekte“.

„Auch Menschen, die sozial nicht so gut gestellt sind, haben ein Recht darauf, am kulturellen Leben unserer Stadt teilzunehmen. Recklinghausen ermöglicht bereits einiges. Aber wir müssen uns fragen, ob unsere Angebote diejenigen erreichen, die sie besonders brauchen. Und natürlich wollen wir auch beleuchten, was wir noch besser machen können“, sagt Bürgermeister und Kulturdezernent Axel Tschersich. „Kulturelle Teilhabe darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Wir müssen darüber sprechen, wie wir bestehende Hürden abbauen.“

Miriam Davoudvandi hat mit „Das können wir uns nicht leisten“ einen Bestseller vorgelegt, der eine unbequeme gesellschaftliche Frage ins Zentrum rückt: Warum ist Armut politisch so oft ein Randthema, obwohl sie das Leben von Millionen Menschen prägt? Die 34-Jährige ist Autorin, Moderatorin, Podcasterin und Musikjournalistin und gilt als eine der profiliertesten Stimmen des deutschen Rap-Journalismus.

In ihrem Buch rechnet Davoudvandi mit gesellschaftlichen Verhältnissen ab, die Armut nicht nur entstehen lassen, sondern Betroffenen auch noch die Teilhabe erschweren. Ihre Thesen sind bewusst zugespitzt: „Armut hat keine Lobby. Es gibt niemanden in der herrschenden Klasse, der kurzfristig davon profitieren würde, wenn Armut beseitigt würde.“ An anderer Stelle schreibt sie: „Eine gute Psyche für alle schaffen wir nicht mit Achtsamkeitskursen, sondern mit Klassenkampf.“

Auf 256 Seiten schildert Davoudvandi ihre eigenen Erfahrungen: Sie wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und arbeitet sich zur erfolgreichen Autorin hoch. Ihre Biografie zeigt, dass Armut weit mehr bedeutet als Verzicht auf materielle Dinge. Sie kann Scham auslösen, soziale Kontakte erschweren und psychisch wie körperlich belasten. Wer jeden Euro umdrehen muss, überlegt sich auch zweimal, ob ein Theaterbesuch, ein Konzert oder ein Museumsbesuch überhaupt drin ist. Was für die einen selbstverständlich ist, bleibt für andere unerreichbar.

Gerade für junge Menschen ist der Zugang zu Kunst und Kultur eine entscheidende Frage. Wenn der Geldbeutel darüber bestimmt, wer ein Theater besucht, Musik live erlebt oder kulturelle Einrichtungen kennenlernt, werden Chancen ungleich verteilt, bevor sie überhaupt entstehen. Fernsehen und soziale Medien können Kultur vermitteln, persönliche Begegnungen, eigene Erfahrungen und die unmittelbare Auseinandersetzung mit Kunst aber nicht vollständig ersetzen.

Deshalb soll an diesem Abend auch darüber diskutiert werden, wie kulturelle Teilhabe gerechter organisiert und finanziert werden kann. Welche Verantwortung tragen Kommunen und öffentliche Einrichtungen? Wo stoßen bestehende Angebote an ihre Grenzen? Braucht es eine andere Verteilung finanzieller Mittel? Und was bedeutet es für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie, wenn Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft von kulturellen Erfahrungen ausgeschlossen bleiben?

Die gemeinsam vom Fachbereich für Kultur, Wissenschaft und Stadtgeschichte ausgerichtete Veranstaltung will nicht nur über Armut sprechen, sondern auch über die politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen. Denn wenn Kultur Begegnung ermöglicht, Perspektiven erweitert und Menschen zur Mitgestaltung ermutigt, dann ist die Frage nach ihrem Zugang keine bloße Kulturfrage. Sie betrifft das Zusammenleben insgesamt.

Genügend Stoff für eine kontroverse Diskussion ist also vorhanden. Moderiert wird das Gespräch von Katty Salié. Auf dem Podium diskutieren neben Bürgermeister Axel Tschersich Frank Schwabe, SPD-Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Olaf Kröck, Intendant der Ruhrfestspiele, Holger Freitag, ehemaliger Vorsitzender des Kulturausschusses und Vorsitzender des Vereins Atelierhaus, Saskia Karpenstein, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises, sowie Alois Banneyer, Theaterpädagoge.

Die Leitfrage des Abends bleibt dabei bewusst unbequem: Wenn Kultur für alle da sein soll, warum können sie sich dann nicht alle leisten?

Termin: Dienstag, 1. Dezember, 19 Uhr
Ort: Stadtbibliothek Recklinghausen
Eintritt: frei

Anmeldung erforderlich über www.recklinghausen.de/kulturtermine

Info Stadtbibliothek Recklinghausen: 

Die Stadtbibliothek und ihre Außenstelle im Haus der Bildung am Süder Neumarkt sind konsumfreie Begegnungsorte für alle Generationen. Sie bieten Raum zum Lesen, Spielen, Entdecken und Austauschen. 

Dabei bleibt die Nutzung attraktiv und bezahlbar: Kinder und Jugendliche erhalten bis zum Schulaustritt einen kostenlosen Printausweis für die unbegrenzte Ausleihe von Büchern und Gesellschaftsspielen. Der Superausweis kostet für Kinder und Jugendliche zurzeit 18 Euro Jahresgebühr. Damit können alle audiovisuellen Medien entliehen werden (Konsolenspiele, Tonies, Filme Hörbücher)

Weitere Ausweisangebote ermöglichen den Zugang zu audiovisuellen Medien und digitalen Angeboten wie der Onleihe und dem PressReader mit rund 7.000 Zeitungen und Zeitschriften in etwa 60 Sprachen.

Auch das Veranstaltungsangebot ist niedrigschwellig: Vorlesestunden für Kinder sind kostenlos, Workshops können dank Fördermitteln häufig ebenfalls gratis angeboten werden. Lesungen mit namhaften Autorinnen und Autoren kosten selten mehr als zehn Euro.

Pressefoto: 

Autorin Miriam Davoudvandi präsentiert in der Stadtbibliothek ihren aktuellen Bestseller. Foto: Julius Gabele

Datum
06.11.2026


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