
Referent ist Stadtarchivar Dr. Matthias Kordes.
Zum Inhalt: Viele jüdische Familiennamen haben einerseits eine ungewöhnliche, andererseits eine fantasievolle, bildhaft-wohlklingende Anmutung. Das macht sie in der allgemeinen Wahrnehmung eben zu typisch jüdischen Namen. Dieser Befund geht auf eine verwaltungsgeschichtliche Entwicklung zurück, die Ende des 18. Jahrhunderts zu einem Bruch mit althebräischen Namenstraditionen führte. Maßgeblich waren dabei staatliche Maßnahmen und Gesetze, die einerseits der besseren Kontrolle, andererseits aber auch der staatsbürgerlichen Emanzipation, Integration und Assimilation der Jüdinnen und Juden im Habsburgerreich, später auch in Preußen und anderen deutschen Ländern dienen sollten.
Diese Entwicklung begann im habsburgischen Galizien (heute: südöstliches Polen bzw. westliche Ukraine), und zwar in den 1780er-Jahren. In diesem prägenden Kapitel jüdischer Geschichte wurden vor mehr als zweihundert Jahren neue, deutschsprachige Familiennamen gewählt oder von den Behörden zugewiesen. Von da an gaben ihre ersten Träger sie unveränderlich an die Nachfolgegenerationen weiter. Und im Laufe des 19. Jahrhunderts und im frühen 20. Jahrhundert wurden solche Namen, vor allem durch jüdische Zuwanderung aus dem östlichen Deutschland sowie aus Ostmitteleuropa, auch in Recklinghausen bekannt. Heute sind sie vor allem durch das Projekt „Stolpersteine“ wieder sichtbar.
Für den Vortrag ist keine Anmeldung nötig.
Pressefoto: Werner Guhe/Stadt Recklinghausen