
Musikalisch begleitet von „Jazz oder nie“ versammelten sich die Besucher*innen zu einem Abend voller Impulse, kluger Gedanken und Begegnungen. Zum Ausklang gab es einen Imbiss, Getränke und Gespräche in entspannter Atmosphäre.
Im Zentrum stand WDR-Journalist, Autor und Moderator Jürgen Wiebicke, der regelmäßig mit seiner Radiosendung „Das philosophische Radio“ auf WDR 5 einem breiten Publikum Themen aus Philosophie, Gesellschaft und Kultur näherbringt. Unter dem Titel „Warum Denken mutig macht – Orientierung in unsicheren Zeiten“ widmete er sich bei der Semestereröffnung den gesellschaftlichen Herausforderungen und Ängsten unserer Zeit – ein Thema, das in einer Phase rasanter Umbrüche besonders aktuell ist. Zu Beginn seines Vortrags erinnerte Wiebicke daran, dass die Grundidee der Volkshochschule unsterblich sei: Bildung als gemeinschaftliche Bewegung von unten, getragen von dem Glauben, dass Wissen Menschen verbindet und stärkt. Statt fertiger Antworten gab er seinen Zuhörer*innen Denkanstöße. Er sprach offen von eigener Unsicherheit: „Es ist keine Koketterie, wenn ich sage, dass auch ich oft orientierungslos bin.“ Seine Botschaft: In Zeiten von Digitalisierung, KI und globalen Umbrüchen sei es wichtiger denn je, Ungewissheit auszuhalten, als sich in Schein-Gewissheiten zu flüchten. Als Sinnbild diente ihm eine kleine Eule auf seiner Fensterbank, die ihn mahne, „nicht vorschnell zu viel wissen zu wollen“. In der antiken Mythologie steht sie für Weisheit. Mit Blick auf Hegel zitierte er: „Die Eule der Minerva beginnt ihren Flug erst in der Dämmerung“ – für ihn kein trauriger Satz, sondern entlastend: Erkenntnis komme oft später, und das sei in Ordnung.
In seinem Vortrag griff Wiebicke viele Gedanken aus seinem Buch „Kleine Philosophie für verrückte Zeiten“ auf. Er ermutigte, eigene Haltungen zu überprüfen und Probleme nicht aus der Pose des Besserwissers, sondern auf Basis „geteilten Nichtwissens“ anzugehen. Das könne – ob in Kommunalpolitik oder im persönlichen Umfeld – zu offenerem Dialog und besseren Lösungen führen.
Auch den Umgang mit Künstlicher Intelligenz nahm er in den Blick: Statt apokalyptische Szenarien oder Heilsversprechen zu beschwören, sei es ehrlicher zuzugeben, dass heute niemand seriös sagen könne, was KI in zehn Jahren für unser Leben bedeutet. „Nicht zu wissen heißt nicht, nichts tun zu können“, fasste er zusammen.
Ein interaktives Highlight zum Abschluss: Über ein Mentimeter konnten die Teilnehmenden spontan eintragen, was die VHS Recklinghausen für sie bedeutet. Besonders häufig genannt wurden Begriffe wie „Bildung“, „Motivation“, „Weiterentwicklung“ und „miteinander im Austausch“ – Werte, die das Selbstverständnis der VHS prägen.
Damit endete ein inspirierender Abend, der Lust auf das neue Semesterprogramm machte. Die VHS Recklinghausen bietet wieder viele spannende Veranstaltungen – von Kursen über Workshops bis hin zu Vorträgen. Gute Nachrichten für Interessierte: in zahlreichen Angeboten sind noch Plätze frei.
Kontakt:
Volkshochschule Recklinghausen
Herzogswall 17
02361/50-2000
vhs(at)recklinghausen.de
https://www.vhs-recklinghausen.de/
Pressefoto: Journalist und Autor Jürgen Wiebicke beim Vortrag in der Recklinghäuser VHS.