
In diesem Jahr fanden Feierlichkeiten zum „Tag der deutschen Einheit“, wie bereits seit Jahren guter Brauch, mit einer Delegation aus der thüringischen Partnerstadt Schmalkalden statt.
Bereits am Sonntag, 2. Oktober, reiste eine Delegation aus Politik und Verwaltung aus Schmalkalden an. Sie wurde von Bürgermeister Thomas Kaminski angeführt. Die Gäste besuchten am Sonntag zunächst die aktuelle Ausstellung in der Recklinghäuser Kunsthalle, die internationales Renommee genießt. Im sogenannten Kulturbunker fand dann am 3. Oktober auch der offizielle Festakt zum Tag der Deutschen Einheit statt.
Zuvor wird in der Propsteikirche St. Peter um 10 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. In seiner Predigt betonte Propst Karl Hermann Kemper, welch großes Glück die Wiedervereinigung für Deutschland gewesen sei. „Bei allem Hang zu immer mehr Individualität in unserer Gesellschaft, hat sie uns aber auch deutlich gemacht, dass es am Ende in einer Demokratie vor allem auf den Gemeinsinn ankommt“, sagte der Kreisdechant.
Im Anschluss an den Gottesdienst legten die Bürgermeister Christoph Tesche und Thomas Kaminski am Mahnmal „Unteilbares Deutschland“ des Künstlers Heinz Ridder ein Blumengesteck nieder. Das Mahnmal ist das Ergebnis eines Wettbewerbs, den die Stadt Recklinghausen bereits im Jahre 1959 ausgerufen hatte. Die Arbeit des Recklinghäuser Künstlers, der 1986 verstarb, besteht aus einem Betonguss-Sockel und zwei großen aufragenden Betonblöcken, die für Ost- und Westdeutschland stehen und ursprünglich mit Stacheldraht verbunden waren. Nach der Wiedervereinigung wurde dieser durch eine Eisenstange als verbindendes Element ersetzt.
„Es ist nach meiner festen Überzeugung unsere Aufgabe, den Tag der Einheit angemessen zu begehen. Dies geschieht auch in Erinnerung an alle diejenigen, die an der Mauer ihr Leben lassen musste“, sagte Tesche. Zum Glück sei das Mahnmal von einst heute eher ein Denkmal. „Wir sollten alle dankbar und demütig sein, in einem freien Land leben zu dürfen“, griff Tesche in seiner kurzen Ansprache auch die Predigt von Propst Kemper auf. „Das Ego baut Mauern, das Herz baut Brücken. Freiheit, Frieden und Wohlstand gibt es nur dann, wenn wir als Gemeinschaft das Gute im Sinn haben“, erklärte Recklinghausens Bürgermeister.
Thomas Kaminski erinnerte in seiner Rede daran, dass die Weichen für die Städtepartnerschaft von Recklinghausen und Schmalkalden bereits vor dem Mauerfall gestellt wurden. „Die erste Unterschrift unter den Partnerschaftsvertrag wurde noch vor dem 9. November 1989 geleistet. Und so haben wir am Ende schließlich zwei Wunder erlebt, den Mauerfall und unsere Städtepartnerschaft.“ Erfreut zeigte sich Kaminski, unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Feierstunde viele bekannte Gesichter zu sehen. „Sie sind mir bekannt, weil ich sie auch regelmäßig bei unserem Stadtfest begrüßen darf.“
Nach der Zeremonie am Mahnmal gingen die Feierlichkeiten in der Kunsthalle weiter. Anders als in den Vorjahren wurden keine Reden gehalten, sondern Recklinghausens Stadtsprecher Hermann Böckmann moderierte ein Talkrunde, an der neben den beiden Amtsinhaber auch die Ex-Bürgermeister Wolfgang Pantförder und Bernd Gellert sowie Uta Pesavento teilnahmen. Die engagierte Bürgerin hat ihre Wurzeln in Recklinghausen, lebt aber seit 22 Jahren in Schmalkalden.
Überschrieben war die Runde mit dem Titel: „32 Jahre Deutsche Einheit – Liebe auf den zweiten Blick?“ Was hat sich positiv entwickelt? Was hat sich in der Wahrnehmung der Deutschen Einheit verändert? Wie fühlte sich die Wiedervereinigung im Jahr 1990 an? Was ist eigentlich dran, an den Klischees vom jammernden Ossi auf der einen und dem Besser-Wessi auf der anderen Seite? Gab es die Liebe auf den ersten Blick? Haben sich Sichtweisen im Laufe von drei Jahrzehnten verändert? Braucht es einen zweiten Blick auf die Wiedervereinigung vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung in Europa? Welchen Sinn macht 32 Jahre nach der Wiedervereinigung eine Städtepartnerschaft zweier deutscher Städte überhaupt?
Alle Teilnehmer*innen der Talkrunde zogen ein positives Fazit der Wiedervereinigung und einig waren sie sich auch in der Einschätzung, dass die Partnerschaft zwischen Recklinghausen und Schmalkalden noch lange nicht am Ende ist. „Wir begegnen uns nicht nur mit großer Herzlichkeit, sondern tauschen uns auch stets zu aktuellen Fragestellungen sehr fruchtbar aus“, brachte es Thomas Kaminski auf den Punkt. Und der Vorschlag von Uta Pesavento, die Partnerschaft in Zukunft um die Kontakte von Schulen und den beiden Fachhochschulen zu bereichern, wurden mit großem Interesse von beiden Bürgermeistern aufgenommen.
Pressefoto:
Am Mahnmal „Unteilbares Deutschland“ im Schatten der Propsteikirche St. Peter legten Christoph Tesche und Thomas Kaminski am 3. Oktober ein Blumengesteck nieder. An der Feierstunde nahmen auch die Vize-Bürgermeisterinnen Marita Bergmaier und Christel Dymke sowie die beiden ehemaligen Bürgermeister Bernd Gellert und Wolfgang Pantförder (v.l.) teil. Foto: Stadt Recklinghausen