
19:00 Uhr
Um Jungs machte sie lange einen Bogen, denn Miriam Davoudvandi wusste, jeder Typ muss irgendwann ihre Wohnung von innen sehen: im schäbigen Sozialbau inmitten von Einfamilienhäusern, die vollgestellten Zimmer, das abgenutzte Bad. Die Scham, nichts bieten zu können und nicht dazuzugehören, prägte Miriam Davoudvandi spätestens seit ihrer Einschulung – und sie ist bis heute ein Teil von ihr.
Inzwischen ist sie sozial aufgestiegen und verdient mehr, als ihre Eltern es je taten. Ihr Fazit: Geld macht sogar sehr glücklich. Aber zu welchem Preis? Und welche Spuren haben ihre Erfahrungen hinterlassen? Ehrlich und berührend erzählt Miriam Davoudvandi, was es bedeutet, in Deutschland arm zu sein. Dabei blickt sie nicht nur auf die offensichtlichen Schauplätze von Armut, sondern auch auf Aspekte wie Dating, Freundschaften, Familiengründung und Psyche, auf die Bedeutung des Fernsehers und das Leben als erste Studierende der Familie. Und zeigt, warum Arme sogar beim Sterben benachteiligt sind.
Armut lässt sich vielleicht bemessen. Zahlen helfen jedoch nicht zu verstehen, wie sich Armut anfühlt und was sie langfristig mit Menschen macht. Umso wichtiger ist es, Miriam Davoudvandis Geschichte zu hören. Sie spricht auch für all jene, die bisher keine Stimme hatten.
Miriam Davoudvandi, Autorin
Katty Salié, Moderation
Im Anschluss an die Lesung:
Diskussion – Quo vadis, Kultur?
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zum Luxus. Insbesondere kulturelle Freizeitbeschäftigungen sind oft mit Geld und Zeit verknüpft. Für sozial benachteiligte Menschen und insbesondere Kinder und Jugendliche sind Fernseher und soziale Medien häufig der einzige Zugang zu Kunst und Kultur. Das Aufwachsen in kultureller Armut prägt Menschen fürs Leben. Wie kann uns in Land und Kommunen eine finanzielle Umverteilung gelingen, damit Menschen im jungen Alter Zugang zu kulturellen Angeboten haben und welche positiven Auswirkungen hätte diese Teilhabe für die gesellschaftliche Entwicklung und unsere Demokratie? Das wollen wir mit Ihnen diskutieren!
Katty Salié, Moderation
Miriam Davoudvandi, Autorin
Axel Tschersich, Bürgermeister und Kulturdezernent der Stadt Recklinghausen
Frank Schwabe, Mitglied des Bundestages und Abgeordneter für den Wahlkreis Recklinghausen
Olaf Kröck, Theaterintendant der Ruhrfestspiele Recklinghausen
Holger Freitag, Politiker und ehemaliger Kulturausschussvorsitzender
Alois Banneyer, Theaterpädagoge
Online-Anmeldung hier
Die Teilnahme an der Veranstaltung kann im Zeitraum vom 01.11.2026 bis zum 01.12.2026 online gebucht werden.