
Bei einem Besuch informierte sich Bürgermeister Axel Tschersich auf Einladung der Telefonseelsorge aus erster Hand über deren Arbeit. Die von den Leiterinnen Christa Bischoff und Vera Meier vorgestellten Zahlen verdeutlichen die große Bedeutung des Angebots: Rund 14.000 Anrufe sowie etwa 1.500 Kontakte über den Internetchat werden jährlich von insgesamt 110 ehrenamtlich Engagierten bearbeitet. Um eine möglichst gute Erreichbarkeit sicherzustellen, kooperiert die Recklinghäuser Telefonseelsorge mit den Standorten in Münster und Bad Oeynhausen.
Die Gründe, weshalb Menschen zum Hörer greifen oder den Chat nutzen, sind vielfältig. Einsamkeit, psychische Erkrankungen, Konflikte im privaten oder beruflichen Umfeld, familiäre Probleme, Ängste sowie körperliche Beschwerden zählen zu den häufigsten Themen. In etwa zehn Prozent der Kontakte geht es um suizidale Gedanken. Bemerkenswert: Rund ein Drittel der Ratsuchenden wendet sich erstmals an die Telefonseelsorge.
„Die Telefonseelsorge ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie unverzichtbar ehrenamtliches Engagement für unsere Stadtgesellschaft ist“, betont Bürgermeister Axel Tschersich. „Hier nehmen sich Menschen Zeit für andere, hören zu und geben Halt. Dies geschieht oft genau dann, wenn jemand in einer schweren Lebenskrise keinen anderen Ausweg mehr sieht. Dieses Engagement kann Leben verändern und im Ernstfall sogar Leben retten. Ich habe großen Respekt vor dem, was das Team der Telefonseelsorge leistet.“
Die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer werden intensiv und professionell auf ihre Aufgabe vorbereitet. Die Ausbildung umfasst rund 250 Stunden über einen Zeitraum von 18 Monaten und beinhaltet unter anderem Biographiearbeit, Gesprächsführung sowie die Auseinandersetzung mit speziellen Themenfeldern. Begleitet wird das Engagement durch regelmäßige Supervision. Mitglieder des Mitarbeiterrates – Peter Brauckmann, Christa Müther und Elisabeth Nordhues – betonen, dass die Tätigkeit zwar herausfordernd, zugleich aber sehr erfüllend sei.
Die Ehrenamtlichen verpflichten sich zu 30 Tagesschichten pro Jahr mit jeweils drei Stunden, ergänzt durch vier bis fünf Nachtschichten. Auch wenn derzeit kein akuter Personalengpass besteht, ist die Telefonseelsorge fortlaufend auf der Suche nach neuen Mitstreiter*innen.
Gut angenommen wird zudem die App „Krisen-Kompass“, ein gemeinsames überregionales Projekt mehrerer Telefonseelsorge-Stellen. Die App steht kostenlos in den gängigen App-Stores zum Download bereit und bietet zusätzliche Unterstützung in akuten Belastungssituationen.
Foto (Stadt RE): Aus erster Hand informierte sich Bürgermeister Axel Tschersich (3. v. l.) über die Arbeit der Telefonseelsorge. Die Leiterinnen Vera Meier und Christa Bischoff stellten mit Superintendentin Saskia Karpenstein (Kuratorium), Christa Müther und Peter Braukmann (beide Mitarbeiterrat/v. l.) das Konzept vor.