Aktuelles Recklinghausen

Gottesdienst in der Propsteikirche St. Peter, Kranzniederlegung am Denkmal „Ungeteiltes Deutschland“ und ein Festakt im Willy-Brandt-Haus – das Programm war prall gefüllt.
Die Delegation aus dem thüringischen Schmalkalden wurde von Bürgermeister Thomas Kaminski angeführt. Dieser war auch bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Festaktes gefragt. Neben seinem Amtskollegen Axel Tschersich diskutierten Dekan Ralf Gebauer (Schmalkalden) und Propst Karl Hermann Kemper unter dem Leitthema „Demokratie und Kirche von 1930 bis 2030“. Moderiert wurde die spannende Runde von der neuen Leiterin der BRÜCKE, Katharina Teiting.
Seit dem 16. September 1989 besteht die Städtepartnerschaft zwischen Recklinghausen und Schmalkalden. Über die Jahre sind zwischen den Städten nicht nur offizielle Kontakte gepflegt worden, sondern auch echte Freundschaften entstanden. Bereits am Abend vor den eigentlichen Feierlichkeiten hatte die zehnköpfige Delegation aus Schmalkalden auch an der offiziellen Trauerfeier für den im Juli 2026 verstorbenen ehemaligen Stadtdirektor und Bürgermeister a. D. Peter Borggraefe im Rathaus teilgenommen.
Dieser hatte die Städteverbindung noch vor der Wende mit dem damaligen Bürgermeister Jochen Welt angeschoben und nach der Wiedervereinigung die Kontakte auf verschiedenen Ebenen gepflegt. Zum einen schickte Borggraefe Mitarbeiter aus dem Recklinghäuser Rathaus nach Thüringen, um dort beim Aufbau der öffentlichen Verwaltung zu helfen. Er organisierte mit engagierten Bürgerinnen und Bürger aber auch medizinische Hilfstransporte und brachte Recklinghäuser Unternehmer nach Schmalkalden, die dort Aktivitäten entfalteten.
Politisch wurde es am Samstag dann schon direkt zu Beginn im ökumenischen Gottesdienst in St. Peter. „Bei allen schwierigen Diskussionen, die wir aktuell erleben, ist es für mich ein echtes Geschenk, in diesem Land leben zu dürfen. In einem Land, in dem Demokratie und weitgehend Gerechtigkeit herrschen, das von Rechtsstaatlichkeit und Freiheit geprägt ist“, sagte Propst Karl Hermann Kemper in seiner Predigt.
Er appellierte an die Menschen, sich dieses Geschenks auch als würdig zu erweisen. „Unser Staat lebt nicht von diesem Geschenk allein, sondern er lebt von Mitmenschlichkeit und davon, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.“ Der Staat lebe zum Beispiel von Nachbarschaftshilfe und Ehrenamt. „Unsere Lebensqualität lebt auch von unserer Haltung. Wir brauchen wieder mehr Ideen, um die wir uns alle gemeinsam versammeln“, erklärte Propst Kemper.
Das Bild des Geschenks nahm auch Bürgermeister Thomas Kaminski in seiner Ansprache am Denkmal „Ungeteiltes Deutschland“ auf, an dem er mit Axel Tschersich zuvor Blumen niedergelegt hatte. „Die Deutsche Einheit ist ein echtes Geschenk gewesen. Leider wird in der öffentlichen Debatte zu sehr das Trennende betont. Wenn ein Fraktionsvorsitzender im thüringischen Landtag erklärt, die Menschen im Osten seien die besseren Deutschen, macht mich das einfach nur fassungslos.“ Damit zielte Kaminski auf entsprechende Äußerungen von Björn Höcke ab.
Ausdrücklich lud der Schmalkalder Bürgermeister, der seit 20 Jahren im Amt ist, die Recklinghäuser*innen ein, die Partnerstadt in Thüringen zu besuchen. „Es schmerzt mich, wenn Leute uns schreiben, ihr habt eine tolle Stadt, aber wir werden euch nicht mehr besuchen. Diesen Menschen kann ich entgegnen: Schmalkalden ist eine grüne Stadt – und nicht braun oder blau.“ Kaminski sieht seine Aufgabe auch darin, mit dafür zu sorgen, dass das Geschenk der Deutschen Einheit nicht vergessen wird.
„Ich würde mir wünschen, dass es gelingt, wieder die Neugierde zu wecken, die die Stimmung in unserem Land direkt nach der Wiedervereinigung ausgemacht hat.“ Eine wichtige Rolle komme dabei auch der jungen Generation zu. „Es lohnt sich aufeinander zuzugehen und neue Projekte zu entwickeln, wie das gerade unser Gymnasium mit einem Partnergymnasium in Recklinghausen tut. Unsere Städtepartnerschaft ist eine geeignete Plattform, um Vorurteile, die geschürt werden, aufzubrechen“, sagte Kaminski.
Die Bedeutung einer funktionierenden Städtepartnerschaft für Frieden und ein gutes Miteinander hob in seiner Rede auch Axel Tschersich hervor. „Ich bin zuletzt gerade auch in Osteuropa unterwegs gewesen. Und es treibt mich um, dass wir aufgrund politischer Entwicklungen dabei sind, wieder Grenzen aufzubauen, nachdem wir uns über Jahre in Europa eigentlich völlig frei bewegen konnten, ohne Grenzen überhaupt wahrzunehmen. Unser aller Ziel muss sein, diese Entwicklung zu stoppen und wieder zurückzudrehen“, betonte Recklinghausens Bürgermeister.
Pressefotos:
Am Denkmal „Ungeteiltes Deutschland“ im Schatten der Propsteikirche St. Peter legten die Bürgermeister Axel Tschersich und Thomas Kaminski Blumen nieder. Die Delegation aus Schmalkalden stellte sich anschließend mit heimischen Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung zum Erinnerungsfoto auf. Fotos (2): Stadt RE



















