3.08 Mordaktionen des Polizeibataillons 316

Im Gebäude am Beisinger Weg 11 befand sich das Kommando der Schutzpolizei und die Landespolizeihundertschaft. Die Historiker lassen heuten keinen Zweifel darüber, dass der Krieg Hitlers gegen die Sowjetunion ein Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg war.

Der Massenmord an der jüdischen und slawischen Bevölkerung der besetzten Ostgebiete war bereits vor dem Einmarsch in die UdSSR am 22. Juni 1941 beschlossen;  Art und Umfang des Mordprogramms ergaben sich aber erst aus der Dynamik des Krieges. Unmittelbar hinter den vier Heeresgruppen, die zunächst rasch vordrangen, operierten im rückwärtigen Heeresgebiet vier „Einsatzgruppen des Chefs der Sicherheitspolizei des SD“, Spezialeinheiten, die nur dem Reichs-führer-SS Heinrich Himmler verantwortlich waren. Bis April 1942 ermordeten sie weit über eine halbe Million Menschen, etwa  90 % der Opfer waren Juden. Da die Einsatzgruppen zahlenmäßig insgesamt nur etwa 3000 Mann stark waren, benötigten sie die Hilfe vor allem einheimischer baltischer, weißruthenischer und ukrainischer Hilfstruppen sowie deutscher Polizeieinheiten, aber auch der Wehrmacht.

Hinter der Heeresgruppe Mitte kam, zugeordnet zur Einsatzgruppe B, das dem Höheren SS- und Polizeiführer Erich von dem Bach-Zelewski unterstehende Polizeiregiment Russland-Mitte zum Einsatz. Es bestand aus den drei Polizeibataillonen 307 aus Duisburg, 326 aus Recklinghausen und 322 aus Wien.

Die Rolle der Polizeieinheiten im Vernichtungskrieg ist der deutschen Öffentlichkeit erst sehr spät bekannt geworden, obwohl Hinweise auf ihre Taten bereits in den Nürnberger Einsatzgruppenprozessen zur Sprache kamen. Von 1966 bis 1968 wurden vor dem Bochumer Landgericht frühere Angehörige des Polizeibataillons 316 angeklagt, „während des letzten Krieges in Russland und in Polen an Judenexekutionen größeren Ausmaßes und an Einzelerschießungen beteiligt gewesen zu sein.“ Nach zwei Prozessjahren wurden die Angeklagten, die juristisch den Befehlsnotstand geltend machen konnten, freigesprochen, obwohl an den Massenerschießungen und Morden nicht der geringste Zweifel erhoben wurde. Aus dem äußerst umfangreichen und akribisch zusammengetragenen Aktenmaterial ergibt sich ein Bild des Einsatzes des Polizeibataillons 316 in Russland und Polen.

Gerichtlich nachgewiesene Beteiligungen des Bataillons 316 an Massenerschießungen der jüdischen Bevölkerung Russlands liegen für die Städte Bialystok, Slonim, Baranowicze, Slusk, Bobruisk, Mogiliew u. a. vor. Im Fall Mogiliew schildert der Bericht der Staatsanwaltschaft:

 „In Mogiliew haben sämtliche drei Kompanien des Bataillons, soweit dessen Angehörige nicht zur Objektbewachung oder zu anderen Aufgaben eingeteilt waren, an mehreren oder mehreren gleichzeitigen Massenerschießungen teilgenommen. Eine derselben wurde bei Pelleditschi von einer ukrainischen Hilfseinheit durchgeführt, während Teile des Bataillons zur Absperrung eingesetzt waren. Auch bei den durch das Bataillon selbst durchgeführten Aktionen wurden zur Unterstützung als Absperrmannschaft Ukrainer herangezogen. Die Zusammentreibung und Erschießung der jüdischen Bevölkerung erfolgte in allen Fällen ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht. Die von den Beteiligten bisher angegebenen Gesamtzahlen schwanken bis zu mehreren Tausend. Die Brutalität der Ausführung der Exekutionen soll in Mogiliew ihren Höhepunkt gefunden haben. Die Juden sollen nunmehr zum Teil regellos zu Haufen in die Gruben hineingetrieben und auch hinein geprügelt worden sein, so dass sich dabei nach der Darstellung der Beteiligten grausige Szenen zugetragen haben. Neben anderen Exzessen wurden die Kinder den Müttern teilweise einfach entrissen und in hohem Bogen in die Gruben geworfen. In diesen exekutierten, auf den Leichen stehend,  zumeist nur noch einzelne Polizeiangehörige und auch Angehörige des SD mit Maschinenpistolen.

In einzelnen Fällen wurden jedoch auch Exekutionskommandos gebildet, die ständig abgelöst wurden. Es ist bekannt, dass man auch Kleinkinder wie Sardinen nebeneinander auf den Boden gelegt und dann mit der Maschinenpistole erschossen hat. In anderen Fällen wurden Kleinkinder in die Luft geworfen und noch im Fluge von unten her erschossen. Nach einer Reihe von Aussagen erfolgte das Abladen der Opfer jeweils in der Nähe der Exekutionsstellen, wo sich die Delinquenten dann auch entkleiden mussten. Es soll auch vorgekommen sein, dass die Transportfahrzeuge direkt an die Gräber heranfuhren und die Juden sogleich in die Grube entluden. Einzelne der Beteiligten vermögen diese Vorgänge nur noch als eine „wüste Metzelei“ zu bezeichnen. Abgesehen von diesen Ereignissen waren in und um Mogiliew Teile des Bataillons noch an einer Reihe anderer, kleinerer Erschießungen beteiligt …“

Während seines Einsatzes in Polen 1943 und 1944 war das Bataillon 316 ebenfalls an Massakern gegen die jüdische Bevölkerung beteiligt.

[Vgl. 3.8 Mord in Russland – Das Polizeibataillon 316 (Polizeiverkehrsdienst, Beisinger Weg 11, Eingang Cäcilienhöhe),  in: Geck, Möllers, Pohl, „Wo du gehst und stehst…", Stätten der Herrschaft, der Verfolgung und des Widerstandes in Recklinghausen 1933-1945, Recklinghausen 2002, S. 131-134]

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