1.17 Verfolgung von Paul Rhode (SPD)

Paul Rhode, Schulleiter der Evangelischen Volksschule Essel (Dortmunder Straße),  war einer der bekanntesten sozialdemokratischen Politiker Recklinghausen. Er wurde 1877 in Höxter geboren, unterrichtete nach dem Examen an verschiedenen Schulen, bis er 1910 seine letzte Lehrerstelle in der Esseler Volksschule antrat. Dort bezog er auch die Lehrerwohnung unter dem Dach. Seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg veranlassten ihn, gleich nach dem Krieg in die SPD einzutreten. Als Kommunalpolitiker wurde er schnell bekannt, bezog öffentlich 1920 gegen den Kapp-Putsch Stellung, war seit 1926 Stadtverordneter und später auch ehrenamtlicher Stadtrat.

Als führender Sozialdemokrat gehörte er seit der Machtübernahme der National-sozialisten zu den politisch Verfolgten. Im Mai 1933 teilte die Bezirksregierung in Münster dem Schulamt der Stadt mit, dass überprüft werde, ob die Lehrer Rhode und Küster in Essel sowie Leßmann (Hochlarmark) wegen „ihrer bisherigen politischen Gesinnung“ zu entlassen seien. Gesundheitliche Probleme, die Rhode seit Anfang 1933 hatte, nutzten die Nationalsozialisten, um ihn in den Ruhestand zu versetzen. Die Pensionierung sollte am 1. Juli erfolgen, aber bereits am 27. Juni wurde Rhode im Polizeipräsidium Recklinghausen in „Schutzhaft“ genommen und von dort aus in die Konzentrationslager Esterwegen und Lichtenberg-Prettin gebracht. Von seiner Familie ließ er sich Schulbücher in Lager schicken, womit er gemeinsam mit anderen Häftlingen den Kampf gegen die Monotonie und Langeweile im Lager aufnahm. Ende 1933 kam er nach Hause, abgemagert von 76 Kilogramm auf 49 Kilogramm.

Nach seiner Versetzung in den Ruhestand musste Rhode seine Wohnung in der Esseler Volksschule räumen. Sein Nachfolger war NSDAP-Mitglied. Rhode zog mit seiner Familie zunächst zum Löhrhof 7 und dann zur Dorstener Straße 35. Lesen und Gartenarbeit begleiteten in den folgenden Jahren der Diktatur seinen Weg in die innere Emigration. Vorsichtig hielt er Kontakt zu seinen ehemaligen Genossen. Die Schnelligkeit des Wiederaufbaus der SPD nach dem Krieg deutet darauf hin, dass dieser Kontakt, bei aller Vorsicht, doch sehr intensiv war. Ende 1944 wurde Rhode nochmals zusammen mit anderen ehemaligen SPD-Mitgliedern für kurze Zeit verhaftet und im Polizeigefängnis in Gewahrsam genommen.

Auch jetzt noch, Paul Rhode war bereits 67 Jahre alt, fürchteten die Nationalsozialisten seinen politischen Widerstand gegen die Diktatur. Bei seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager Esterwegen am 8. September 1933 wurde Rhode gezwungen, ein Papier zu unterschreiben, worin er erklärte, dass er jegliche Beziehungen zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands oder zu ihren Hilfsorganisationen gelöst habe. Ein Fragebogen der britischen Militärregierung wollte 1946 wissen, ob er nach 1933 Mitglied in verbotenen Organisationen gewesen sei; er antwortete: „Ja  S.P.D. 1933 bis 1945.“ Und er fuhr fort: „Als Vorsitzender sozialdemokratischer Organisationen, als Stadtverordneter und Stadtrat, als Parteivertreter und fortschrittlich eingestellter Schulmann habe ich unzählige Artikel, Abhandlungen, Berichte u. dgl. in der Fach- und Parteipresse geschrieben, die ich auch nicht im kleinsten Bruchteil jetzt noch angeben kann, weil mir sämtliche Unterlagen durch die Hitlerbanden und Kriegseinwirkung zerstört wurden. Bei den meisten Wahlkämpfen 1918 bis 1933 habe ich in Wort und Schrift ganz nachdrücklich gegen Kommunismus, reaktionäres Zentrum, Militarismus, Rechtsnationalsozialismus und Nationalsozialismus gestritten. Als demokratischer Schulreformer bin ich gegen die Kirchenherrschaft über die Volksschule aufgetreten und habe die staatliche Einheitsschule gefordert. Jetzt bekämpfe ich als Vorsitzender des sozialdemokratischen Unterbezirks Recklinghausen mit Wort und Schrift die Nazipest.“

[Vgl.  1.15. Paul Rhode: „Jetzt bekämpfe ich … die Nazipest“ (Evangelische Volksschule a. d. Dortmunder Straße), in: Geck, Möllers, Pohl, „Wo du gehst und stehst …“ , Stätten der Herrschaft, der Verfolgung und des Widerstandes in Recklinghausen 1933-1945, Recklinghausen 2002, S. 48-49]

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