1.02 Bürgermeister „auf Befehl, als Truppführer der SA“

Das 1906 errichtete Rathaus war Sitz der Selbstverwaltung für 86.000 Einwohner. Politisch war die Stadt in der Zeit der Weimarer Demokratie von einer stabilen Mehrheit aus katholischem Zentrum (1929: 17 Sitze) und SPD (7) regiert worden. Bürgerlich-nationale Parteien (9), KPD (7) und NSDAP (1) blieben in der Minderheit; die Polenliste (2) stimmte häufig mit dem Zentrum.

Letzter Wahlkampf: RVZ 11. März 1933

Letzter Wahlkampf: RVZ 11. März 1933

Unter dem Eindruck von „Machtergreifung“, der Reichstagswahl am 05.03.1933 und des gewaltsam durchgesetzten Machtmonopols von preußischer NS-Staatsführung und ihrer offiziell anerkannten SA-„Hilfspolizei“ gelang der NSDAP bei der Kommunalwahl eine Woche später erstmals der Durchbruch zur stärksten Fraktion (18 Sitze) im Rathaus und gemeinsam mit den „nationalen Parteien“ DNVP (3) und Evangelischem Volksdienst (2) eine klare Mehrheit gegenüber Zentrumspartei (13 Sitze), SPD (4) und Polenliste (1). Zudem waren die sechs gewählten Kommunisten ausgeschlossen worden.

National-Zeitung, 21. April 1933

National-Zeitung, 21. April 1933

Die erste Stadtverordneten-versammlung am 31. März fand nicht mehr unter der schwarz-rot-goldenen Fahne der demokratischen Republik, sondern der Hakenkreuzflagge, zu dieser Zeit noch begleitet von einer Schwarz-Weiß-Rot-Flagge des Kaiserreiches, statt. Mehr noch: Die neugewählten NS-Vertreter rückten in SA-Uniformen ein, und mit ihrem jüngsten Mitglied, Franz Rottmann (1905 - 1984), wurde erstmals nicht ein Zentrumsvertreter, sondern ein Nationalsozialist zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. „Auf Befehl, als Truppführer der SA“ (RVZ 1./2.4.33) nehme er das Amt an, erklärte Rottmann und demaskierte damit zugleich die demokratische Fassade der Veranstaltung.

Gegen die Stimmen der alten Ratskoalition wurde der Fraktionsstatus von 5 auf 4 Sitze gesenkt, um, wie Paul Faßbach, einziger NS-Vertreter im Rat vor 1933, nun ganz offen erklärte, „die SPD kalt zustellen“. Auf den Magistratssitzen fehlten bereits die Mitglieder Dünnebacke, Jörling und Töneböhn. Für die 2. Sitzung am 19. April war dann der Polenvertreter durch Drohungen von der Teilnahme abgehalten worden, so dass die „nationalen“ Parteien NSDAP, DNVP und Volksdienst 7, das Zentrum nur noch drei und die SPD nur einen der unbesoldeten Stadträte erhielten.

Vorerst blieben mit Oberbürgermeister Fritz Niemeyer (1883 - 1958) und Schulrat Dr. Josef Hellermann (1885 - 1964) als anerkanntem Schulfachmann noch zwei führende Kommunalbeamte im Amt. Der noch 1932 von einer „bürgerlich-nationalen“ Allianz gewählte Niemeyer wurde 1939 abgesetzt. Tatsächlich hatte sich der Machtschwerpunkt aber bereits 1933 auf den Aufsteiger Franz Rottmann verlagert. Wenn er sich als Jüngster bei der Antrittsrede gleichwohl als „ältestes Mitglied“ der SA vorstellte, so legitimierte er sich damit nicht nur als „alter Kämpfer“, sondern konnte als ihr Vorzeige-Aufsteiger das Anspruchsdenken kanalisieren. Das hielt ihn auch nicht davon ab, gleichzeitig auf seine katholische Sozialisation zu verweisen.Nationalzeitung 14.06.1936

Nationalzeitung 14.06.1936

Rottmann, seit 1925 NS-Mitglied und beruflich in der Ewald-Bergwerksverwaltung beschäftigt, nutzte dabei den am 19. März 1933 durch den Rathaussturm „von unten“ organisierten Sturz Josef Dünnebackes (Zentrum). Mit der Proklamation von „Sauberkeit und Sparsamkeit“, „Gemeinnutz vor Eigennutz“ kündigte Rottmann in der Antrittsrede zugleich den Kampf gegen die „Blattläuse“ an, die diese „beginnende Blüte des deutschen Aufstiegs“ gefährdeten. Dieser offenen Drohung der Gleichschaltung der Mitarbeiterschaft folgten Konsequenzen: Wie Heinrich Weiskirch und der hauptamtliche Stadtrat Heinrich Töneböhn (SPD), der als früherer Parteisekretär am 24.06.1933 verhaftet wurde, verlor Josef Dünnebacke als hochrangigster Beamter sein Amt. Rechtliche Basis dieser Gleichschaltung „von oben“ für Beamte bildete dabei das extra geschaffene „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 07.04.1933. Gleichzeitig organisierte Rottmann die systematische Durchforstung der Personalakten, um in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Platz für zuverlässige SA-Leute zu schaffen. Nachweisbar wurden zehn Arbeiter, drei Beamte und ein Angestellter so aus dem Dienst entfernt.

[Vgl. 1.2 Bürgermeister „auf Befehl, als Truppführer der SA“ (Rathaus), in: Geck, Möllers, Pohl, „Wo du gehst und stehst…“ , Stätten der Herrschaft, der Verfolgung und des Widerstandes in Recklinghausen 1933-1945, Recklinghausen 2002, S. 13-15]

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