Bürgermeister-Kolumne

Bild GrußworteLiebe Recklinghäuser*innen, liebe Leser*innen,

an dieser Stelle schreibe ich Ihnen seit einiger Zeit, zumeist über Dinge, die sich direkt in unserer Stadt ereignen. 

Heute möchte ich Ihnen über unsere thüringische Partnerstadt Schmalkalden berichten.
Eine sehr hübsche und geschichtsträchtige 17.000-Einwohner-Stadt, deren Besuch ich Ihnen sehr an Herz legen möchte – es lohnt sich in jedem Fall. 

Unsere Städtefreundschaft jährt sich in diesem Jahr, wie der Fall der Mauer, zum 30ten Male. 

Ende August 2019 sind wieder viele Recklinghäuser*innen nach Schmalkalden gefahren. Auch ich war vor Ort. Anlass war das alljährliche Stadtfest, auch Hirschfest genannt.  Es war ein schönes und interessantes Fest. Für uns als Recklinghäuser*innen zudem, weil auch in diesem Jahr wieder Menschen aus unserer Stadt zum Fest beigetragen haben, sei es als Gäste oder Mitwirkende. So sind der Süder Männergesangsverein Liederkranz, der Männergesangsverein Concordia Grullbad, der in diesem Jahr 110-jähriges Jubiläum feiert, und die Akkordeonklänge sehr zur Freude der Anwesenden beim Fest aufgetreten.

Besonders schön war beim Hirschfest auch das kleine Jubiläumsfest des Gehörlosenvereins in Schmalkalden und des Vestischen Gehörlosenvereins, die nun ihr 25-jähriges Partnerschaftsjubiläum in Schmalkalden feierten.

Die Partnerschaft zwischen Recklinghausen und Schmalkalden besteht seit September 1989:

Sie gehört zu den Beispielen deutsch-deutscher Städtefreundschaften, deren Anfänge noch in die Zeit der deutschen Teilung fallen. Sie war die 53ste von 98 deutsch-deutschen Partnerschaften noch vor der Wiedervereinigung. Die Städtepartnerschaft mit Schmalkalden wurde auf Recklinghäuser Seite am 16. September 1989 in der Ratssitzung beschlossen. Am 9. Dezember 1989 folgte die Ratifizierung des Vertrages in Schmalkalden. 

Bereits im Frühjahr 1988 äußerte Recklinghausen wie andere westdeutsche Städte gegenüber der Bundesregierung den Wunsch nach einer Partnerschaft mit einer Stadt in der DDR. Das Problem bestand in der Vielzahl von Anträgen, die Chancen standen schlecht.
Trotzdem gab es letztlich einen Erfolg. Er führte über die Ruhrfestspiele und einen Kulturaustausch zwischen unserem DGB und dem FDGB, der Dachorganisation der DDR-Gewerkschaften.
Im September 1988 schließlich wurde unter der Führung der damaligen Bürgermeister Welt und Bönte eine Delegation Recklinghäuser Unternehmer am Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße vom Vorstand des FDGB empfangen.
Zum Abendessen wurde in das historische Ermelerhaus am Gendarmenmarkt eingeladen. Hier passierte dann die Sensation. Nach den Begrüßungsreden teilte Frau Prof. Johanna Töpfer, stellvertretende FDGB-Vorsitzende, die beim Austausch in Recklinghausen anwesend war, mit, dass der Vorstand des FDGB beschlossen habe, der Stadt Recklinghausen eine Städtepartnerschaft zu vermitteln: Schmalkalden in Thüringen. Damit fängt die Geschichte unserer Städtepartnerschaft an. Erfahren haben dies unter den damaligen Verhältnissen die Recklinghäuser eher als der Bürgermeister von Schmalkalden.
Dass das geteilte Deutschland wieder eins würde, war zum Zeitpunkt der Verhandlungen noch nicht klar. Sie waren schwierig, da die DDR „unkontrollierte“ persönliche Kontakte nicht duldete, sondern nur einen Jahresplan offizieller Treffen. 

Doch im Herbst 1989 wurde an jedem Tag deutsch-deutsche Geschichte geschrieben. Bei den Montagsdemonstrationen für die Freiheit und gegen das DDR-System, bei der Flucht der DDR-Bürger*innen in die Deutsche Botschaft in Prag und ihre durch Dietrich Genscher verkündete Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland. 

Und dann: Der Mauerfall am 9. November 1989. 

Wenn jetzt eine Recklinghäuser Delegation zusammen mit den Schmalkader Freund*innen am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, in Schmalkalden im 30.  Jahr des  Mauerfalls feiert, feiern wir zugleich 30 Jahre Städtepartnerschaft Recklinghausen und Schmalkalden. 

Auch in Schmalkalden gab es wie anderswo in der DDR viele Tage der friedlichen Revolution gegen die Diktatur der SED-Herrschaft, gegen Unfreiheit und für die Demokratie. Auch in Schmalkalden demonstrierten die Menschen für die Freiheit, für eine bessere Gesundheitsversorgung und sie besetzten die Stasi-Zentrale. Und sie erfuhren echte Solidarität und Unterstützung der Stadt Recklinghausen und vieler unser Bürger*innen – eine wichtige Erfahrung für beide Seiten. 

Deshalb ist der Rückblick anlässlich der Jubiläen so wichtig.
Er macht deutlich, dass die Wahrung menschlicher Freiheitsrechte nicht selbstverständlich ist und von den Menschen immer wieder verteidigt und erkämpft werden muss. Und er erinnert uns daran, dass die Freiheitsbewegungen aller Menschen auf die Solidarität derer angewiesen sind, die diese Freiheitsrechte nutzen können.

Ihr


Signatur
Christoph Tesche

Bürgermeister der Stadt Recklinghausen

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