Bürgermeister-Kolumne

Liebe Recklinghäuser*innen, liebe Leser*innen, 


In diesen Tagen gedenken wir der Opfer Shoa, des Nationalsozialismus, der Weltkriege. 


Unsere Botschaft im Gedenken ist klar: Wir gedenken der Opfer und stehen für Frieden und gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung. Sie haben in unserem Land und in unserer Stadt keinen Platz.

Ich möchte Sie daher an dieser Stelle bitten, am Gedenken an die Opfer der Shoa, des Nationalsozialistischen Regimes, der Weltkriege teilzunehmen. 
Wir wollen so Flagge für eine friedliche Demokratie zeigen. 
Wir übernehmen Verantwortung für eine friedliche, tolerante Gegenwart und stehen dafür ein.

Das möchten wir auch zeigen, indem wir alle am 10. November, beim Gedenken an die Opfer der Pogromnacht 1938 die jüdische Gebetskappe Kippa tragen.

Damit bekunden wir unsere Solidarität mit unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern nah und fern! 

Immer, wenn sich der Tag der Pogromnacht jährt, treffen wir uns an diesem Mahnmal, um den Opfern der Nazidiktatur zu gedenken.

Doch 2019 ist es anders als in den Jahren zuvor. 

Der feige antisemitische Angriff in Halle vor einigen Wochen hat die Situation in unserem Land verändert. Und das in einer für mich bis heute unfassbaren Dimension.
In Deutschland hat es nach 1945 mehrfach Angriffe auf Synagogen gegeben. 

Erst waren es Schmierereien, dann Brandsätze.  Und jetzt die furchtbare Tat in Halle.

Ein Deutscher geht los, um gezielt einen Anschlag auf jüdische Mitbürger an Jom Kippur in der Synagoge zu verüben. Als der Plan misslingt , tötet er willkürlich zwei Passanten.
Die Brutalität des Angriffs hat bei vielen Menschen im Land - ganz sicher und nachvollziehbar gilt das auch für die Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens - einen tiefen Schock verursacht. 

Auch im Angesicht der in der Menschheitsgeschichte beispielslos grausamen Ermordung der Juden Europas.

Das Jahr der Novemberpogrome 1938 markiert einen grausamen Wendepunkt in der antisemitischen Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten.
Überall in Deutschland wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November die Synagogen in Schutt und Asche gelegt. Auch in Recklinghausen. Jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die im Polizeipräsidium Schutz suchten, wurden dort inhaftiert und misshandelt. 

Zu den menschenverachtenden Gesetzen, die Menschen jüdischen Glaubens systematisch entrechteten, traten nun offen Terror, massenhafte Inhaftierungen, Morde.
Die Novemberpogrome sind der Übergang zur systematischen Ghettoisierung, Inhaftierung und dann zur industriellen Ermordung von sechs Millionen jüdischen Kindern, Frauen und Männern.
Wir versammeln uns am Sonntag, 10. November, am Mahnmal Westerholter Weg/Herzogswall, um 17 Uhr, um an die furchtbare Pogromnacht 1938 zu erinnern und der Opfer mit Trauer zu gedenken.

Diese Gedenkfeier wird seit Jahrzehnten von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Kooperation mit der Jüdischen Kultusgemeinde Kreis Recklinghausen gestaltet. Das erfolgt stellvertretend für die Stadtgesellschaft und wird unterstützt von der Stadt Recklinghausen. 

Aufeinander zugehen, gemeinsam aufklären und Extremisten entschlossen begegnen, diesen Kurs werden wir gemeinsam konsequent weiterverfolgen.
Das sind wir den Opfern des Nazi-Terrors und der jüngsten Anschläge schuldig.
Das sind wir der Jüdischen Gemeinde schuldig, die ihren festen Platz in unserer Stadt hat.
Das sind wir unserer Demokratie schuldig, denn jeder Anschlag auf Menschen ist ein Anschlag auf die Werte unserer demokratischen Gesellschaft.
Für Toleranz und Zivilcourage. Dafür stehe ich hier als Bürgermeister, dafür stehen Rat und Verwaltung und unsere Bürgerschaft.
Dafür stehen wir alle.
Wir wollen, ja wir müssen das deutlich zeigen!
Wir wollen das zeigen mit einer Menschenkette vom Mahnmal zur Synagoge.
Machen Sie mit am Ende der Veranstaltung.
Für unsere Freunde, Nachbarn, Mitbürgerinnen und Mitbürger der Jüdischen Gemeinde.
Für ein gutes, demokratisches Recklinghausen, in dem Menschen verschiedener Herkunft und Religion friedlich zusammenleben.
Hier in Recklinghausen sind viele Akteure aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen im Bündnis für Toleranz und Zivilcourage gegen Antisemitismus und Rechtextremismus und für ein weltoffenes und friedliches Recklinghausen aktiv.
Durch vielfältige Aktivitäten tragen die Menschen des Bündnisses sowie eine ausgeprägte Gedenkkultur dazu bei, dass es in unserer Stadtgesellschaft ein gutes Miteinander gibt.
Mit dem Gedenken setzen wir ein Zeichen für uneingeschränkte Religionsfreiheit und gesellschaftliche Vielfalt.

Gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung muss eine Politik auf vielen Ebenen betrieben werden. Mit Mitteln der Information, des Rechtsstaates und der Sicherheitspolitik.

Auch die Zivilgesellschaft ist dringend gefragt, hier klare Kante zu zeigen. 

Wir müssen in der Lage sein, antisemitisches Gedankengut zu erkennen und zu widersprechen. Wir müssen Geschichte sichtbar machen.

Das tun wir auch mit einer Wanderausstellung, zu deren Besuch ich einlade. 

Die Ausstellung wurde von der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. 2018 in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung NRW erstellt. Sie wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundeszentrale für politische Bildung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ Sie wird in Recklinghausen in Kooperation mit der GEE-Pädagogischen Akademie, Kinderlehrhaus e.V. gezeigt. 

Die Ausstellung informiert über Antisemitismus und nimmt Bezug zu Alltagswelten von Jugendlichen, etwa im Internet und in der Schule und dortigem Antisemitismus.
Die Ausstellung „Du Jude! – Alltäglicher Antisemitismus in Deutschland“ ist zu den Öffnungszeiten des Rathauses zugänglich.

Sie wird am 26. November eröffnet und läuft bis zum bis 22. Dezember 2019.

Auch der Volkstrauertag am 17. November soll uns darin bestärken, Populismus, Gewalt, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit weiterhin mit aller Macht entgegenzutreten. 

Der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Wolfgang Schneiderhan, schreibt in seinem Geleitwort zum Volkstrauertag:
„Der Zweite Weltkrieg forderte über 60 Millionen Tote. Dieser verbrecherische Krieg ging 1939 mit dem Überfall auf Polen von Deutschland aus, dem beispiellose Verbrechen gegen die Menschheit folgten. Hierzulande bestimmen oft verzerrte Bilder die Erinnerung: die gestellte Szene, wie Soldaten einen Grenzbaum niederreißen und Hitlers Reichstagsrede, die den Kriegsbeginn nicht nur falsch datiert, sondern die Kriegsschuld ins Gegenteil verkehrt.“

"An diesem Tag gedenken wir der Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten und Zivilisten, die in den Weltkriegen starben. Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk oder einer anderen Religion angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder ihr Leben als lebensunwert bezeichnet wurde. 
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten. 

Wir gedenken auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind."
 
(Aus dem Totengedenken des Bundespräsidenten)

Die gemeinsame Erinnerung im europäischen Haus, für die sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einsetzt, ist so wichtig, gerade weil sie unterschiedliche historische Erfahrungen und aktuelle Blickwinkel nicht auf einen Nenner, aber immerhin in einen Dialog bringen kann. So steht der diesjährige Volkstrauertag im Gedenken an den Kriegsausbruch und die vielen Toten in dessen Folge, zugleich aber auch in der Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft in friedlicher Nachbarschaft. 

Die Stadt Recklinghausen und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Ortsverband Recklinghausen laden alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, Verbände und Vereine dazu ein, sich mit uns am Volkstrauertag gemeinsam zu erinnern und ein Zeichen für den Frieden im 21. Jahrhundert zu setzen. 

Ich hoffe, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger an der Gedenkfeier teilnehmen und damit unter Beweis stellen, dass die Opfer von Krieg und Gewalt des letzten Jahrhunderts nicht vergessen sind und wir alle uns für die Versöhnung und den Frieden in der Welt einsetzen. 

Die Gedenkfeier am Sonntag, dem 17. November 2019, am Ehrenmal Am Lohtor findet um 11 Uhr statt. Weitere Gedenkfeiern gibt es am um 12 Uhr am Mahnmal am Schimmelsheider Park und am Stresemannplatz ebenfalls um 12 Uhr. 


Ihr

Signatur
Christoph Tesche

Bürgermeister der Stadt Recklinghausen

Veranstaltungskalender

Zur Veranstaltungssuche

Rund ums Ordnungsamt - Fragen von A bis Z

Von der Autowäsche bis zum Zigarettenstummel: Hier finden Sie Informationen des Ordnungsamts zu häufig gestellten Fragen. Mehr

Aufbau der Stadtverwaltung
Rathaus
Sie wollen mehr darüber erfahren, wie die Verwaltung der Stadt Recklinghausen aufgebaut ist? Hier erhalten Sie einen Überblick über die Verteilung der Dezernate und der zugehörigen Fachbereiche.
Verwaltungssuchmaschine NRW

Verwaltungssuchmaschine
Mit der Verwaltungssuchmaschine NRW kann man gezielt nach Angeboten der öffentlichen Verwaltung suchen. Zur Suchmaschine geht es hier.

Amtsblatt-Abonnement

Amtsblatt
Im Amtsblatt werden alle amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Recklinghausen veröffentlicht. Sie können es per E-Mail kostenlos abonnieren. Mehr

Abonnieren Sie unsere Seite

RSS-Symbol
Sie als Nutzer können unsere Seite kostenfrei abonnieren. Wenn neue Meldungen auf der Startseite oder den weiteren sechs Hauptseiten erscheinen, erhalten Sie die Meldungen auch sofort. Mehr