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Wohnen, Leben und Arbeiten von Fremden im Revier

Historisches Foto des Statdtteils Hochlarmark
Historisches Foto des Statdtteils Hochlarmark
Der Stadtteil Hochlarmark als Brennpunkt der Recklinghäuser Migrationsgeschichte

Ca. 1880 begann die massive, aus ostmitteleuropäischen Bevölkerungspotentialen gespeiste Migration nach Recklinghausen. Die Zechen König Ludwig, Recklinghausen I/II und General Blumenthal - im Volksmund galten sie lange Zeit als „Polenzechen" - legten den Grundstein für einen dramatischen industriellen Wandel und eine bis dahin beispiellose Zuwanderung. Wie kaum einen anderen Ballungsraum prägte die industriebedingte Erwerbsmigration die ökonomische Leistungskraft, das soziale Gefüge und die Kultur des nördlichen Ruhrgebietes und schuf zugleich ein dauerhaftes Spannungsfeld zwischen Integration und Segregation.

Die Ungleichheiten, Brüche und Potenziale innerhalb einer solchen Einwanderungsgesellschaft erschließen sich vor allem durch einen Blick in die Geschichte einzelner Stadtteile. Die frühe Geschichte Hochlarmarks, seit 1880er Jahren auf Grundlage hauptsächlich polnischsprachiger Zuwanderung förmlich aus dem Boden des Emscherbruchs gestampft, bündelt diese Fragestellungen. Im Archivprojekt für Ruhr.2010 wird daher die mikrohistorische Rekonstruktion der durch Arbeitsmigration geprägten Lebensverhältnisse im frühen 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt stehen.

Dabei wird eine Kooperation mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Recklinghausen angestrebt: Diese nimmt nämlich im Rahmen des Arbeitskreises der Denkmalpfleger im Ruhrgebiet am Ruhr.2010-Verbundprojekt „Route der Wohnkultur" teil. Örtliches Ziel ist es, die regionaltypische Wohnsituation einer Bergarbeitersiedlung mit ihren montanindustriellen Lebenssachverhalten in einem einschlägigen Bauobjekt erlebbar zu machen.

Dafür soll ein zur fraglichen Zeit leerstehendes Wohngebäude im Umfeld der denkmalgeschützten sog. Dreieckssiedlung in Recklinghausen-Hochlarmark in ein temporäres Geschichtsmuseum umgewidmet werden. Dort wird sich eine Archivalienausstellung zur Stadtteilsgeschichte Hochlarmarks und ihrer sozialhistorischen Besonderheiten, zugleich auch das Ambiente einer typischen Bergarbeiterwohnung präsentieren. Die historisch-reale Wohnwelt des klassisch-montanindustriellen Milieus soll an Ort und Stelle physisch, atmosphärisch und dokumentarisch erfahrbar werden. Zugleich bieten historische Schrift- und Bildquellen Einblicke in die Alltagsgeschichte eines Stadtteils. Als Ergebnis finden sich ein historisches Bauobjekt, diverse archivalische Quellen sowie museale Exponate zu einer „Schau-Wohnung" zusammen. Dieser konkrete „espace social" thematisiert auf ungewohnte Weise die geschichtliche Lebenswelt und die alltägliche Daseinsbewältigung in einem regionaltypischen Bergarbeiterquartier.

Kontakt

Dr. Mathias Kordes
Tel. 02361/501901
mathias.kordes@recklinghausen.de