Bildende Kunst - Mapping the Region

Mapping the Region Ausstellung "OUTDOOR and OUTSIDE"
OUTDOOR and OUTSIDE (03.07. – 05.09. 2010)
Tadashi Kawamata im Dialog mit der Outsiderszene Ruhrgebiet
Tadashi Kawamata wurde 1953 in Hokkaido, Japan geboren und lebt heute in Paris und Tokyo. Weltweit initiiert er Installationen, die sich immer auf ihre jeweilige Umgebung, auf die Geschichte und Funktion eines Ortes oder Gebäudes einlassen und darauf reagieren. Trotz ihres eindeutig skulpturalen Anspruchs lehnen sie sich meistens eng an eine architektonische Formensprache an und besitzen einen Gebrauchswert, d. h. eine konkrete Funktion. Diese soziale Dimension erweitern sie außerdem dadurch, dass Kawamata häufig Handwerker oder Bewohner am Ort in den Arbeits- und Gestaltungsprozess einbezieht.
Bereits 1995 widmete ihm die Kunsthalle Recklinghausen im Rahmen der Ruhrfestspiele eine Einzelausstellung. Damals setzte sich Kawamata intensiv mit der Historie des Hauses als ehemaliger Bahnhofsbunker auseinander und ließ die klaustrophobische Enge des ursprünglichen Kriegsbaus durch hölzerne Konstruktionen erneut aufleben – durch Einbauten aus Grubenholz, die gleichzeitig einen andere, für das Ruhrgebiet typischere „Enge“ thematisierten, nämlich das Wegesystem des Untertagebergbaus, jene unsichtbare Parallelwelt der Kohlenindustrie, die entscheidend das Gesicht der Region prägte.
Auf dem Vorplatz der Kunsthalle realisiert Kawamata 2010 die Idee einer begehbaren Plastik, eines gestalteten und funktionalen Aussichtsturms, gewissermaßen der „Zwilling“ seines Turms für das Projekt emscherKUNST.2010, der symbolisch den Blick von oben auf die Region ermöglicht. Kawamatas künstlerischer Ansatz, der immer die unterschiedlichsten Aspekte eines Ortes vernetzt und Menschen zusammenbringt, spiegelt sich auch in der Ausstellung im Haus wider, wo sich in einer von Kawamata initiierten und mit den beteiligten Gruppen (Künstlerinnen und Künstlern) realisierten Ausstellungsarchitektur die Outsiderszene des Ruhrgebiets darstellt, die künstlerische Produktion von Menschen, die an verschiedenen Orten der Reviers (häufig unter professioneller Anleitung) ihre künstlerische Kreativität entdecken und ausleben (häufig vom offiziellen Kunstbetrieb unberührt). Kawamata hat bereits öfter mit gesellschaftlichen „Randgruppen“ zusammengearbeitet, sie zu kreativem, künstlerischem Tun animiert und aus diesem Dialog soziale Plastiken entstehen lassen.
„Outsiderkunst“ ist ein heute gebräuchlicher Sammelbegriff für eine autodidaktische Kunst von Laien, eine Kunst jenseits etablierter Kunstformen und –strömungen, geschaffen von Menschen, die z. B. extremen seelischen Belastungen ausgesetzt waren oder in ihrem Leben ungewöhnliche Erfahrungen gemacht haben, die aber große bildnerische Qualität besaßen bzw. besitzen. Dabei spannt die Ausstellung den Bogen von bereits klassischen Positionen wie Friedrich Gerlach bis zu gegenwärtigen Erscheinungsformen der Street Art und des Graffiti.
Da die Ausstellung „OUTDOOR and OUTSIDE“ im Rahmen des Projektes „Mapping the Region“, welches die RuhrKunstMuseen initiiert haben, stattfindet, legt die Kunsthalle den Fokus auf KünstlerInnen, deren Vita eng mit der Region der Kulturhauptstadt RUHR.2010 verbunden ist.
So werden auch einige Künstler aus Recklinghausen vertreten sein, allen voran - der international bekannte Bildhauer – Erich Bödeker. Durch die gemeinsame Präsentation mit Objekten und Collagen der Recklinghäuser Street Artists HERR ORM und DER DREAM, den Schriftzügen des Graffiti-Künstlers MOTE oder den phantastischen Häkelarbeiten und Bildteppichen eines Alfred Stief, zeigt sich wie bunt und vielfältig das künstlerische Schaffen in Recklinghausen selbst – und dem gesamten Ruhrgebiet – ist.