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Stadtwappen
Zur Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten ist bei einer beabsichtigten Verwendung des Stadtwappens vorab die Erlaubnis der Stadt Recklinghausen einzuholen. Nähere Informationen erhalten Sie unter der E-Mail:
presse@recklinghausen.de
Zur Geschichte und Bedeutung des Wappens der Stadt Recklinghausen
Am 18.6.1906 wurde bei einer Magistratssitzung unter Vorsitz des Ersten Bürgermeisters Peter Heuser beschlossen, beim Preußischen Heroldsamt offiziell ein neues Wappen mit einer Farbwahl zu beantragen, die man sich in einer Kombination von Grün und Gold wünschte. Auf Anfrage erklärte sich im September 1906 der Berliner Kunstsachverständige Professor Dr. Emil Doepler bereit, für ein Honorar von 200,- Mark an der Gestaltung des neuen Stadtwappens mitzuwirken. Im Januar 1907 reichte Doepler drei farbige Entwürfe ein, welche die schematische Stadtarchitektur des mittelalterlichen Siegels thematisierten - der Magistrat lehnte jedoch alle drei Konzepte wegen fehlender Nähe zum mittelalterlichen Siegelvorbild ab. Gleichzeitig wurde Alexander Schnütgen, einer der bedeutendsten Kölner Sammler mittelalterlicher Kunst, um Rat und Mitarbeit gebeten, ebenso Prof. W. Hildebrandt, Herausgeber des „Deutschen Herolds“ in Berlin. Dessen Entwurf wurde schließlich durch Magistratsbeschluss vom 4.3. und 14.5.1907 zur Grundlage des Antrags auf Verleihung eines neuen Stadtwappens gemacht.
Der Antrag auf Verleihung eines Stadtwappens wurde im Juli 1907 an den Regierungspräsidenten in Münster gerichtet, der das Gesuch an das Preußische Innenministerium weiterleitete. Von einem unbekannten Ministerialbeamten wurde im Dezember 1907 der Ergänzungsvorschlag gemacht, das neue Wappen zusätzlich mit einer „dreitürmigen sandsteinfarbenen Mauerkrone“ zu „bedecken“. Das Heroldsamt in Berlin wies im März 1908 als Bedingung für die endgültige Genehmigung ein helles Grün für den Wappenschild an; der „Königliche Hof-Wappen-Maler“ Helnig übernahm im April 1908 die ausführenden Arbeiten. Der Entwurf wurde in der Magistratssitzung vom 4.5.1908 für gut befunden und zwecks Vorlage bei Kaiser Wilhelm II., hier in seiner Eigenschaft als König von Preußen, wiederum nach Berlin zurückgeschickt. Dieses Konzept erhielt von Kaiser Wilhelm II. in seiner Eigenschaft als König von Preußen am 3.6.1908 mit eigenhändiger Signatur die Genehmigung. Am selben Tag kam das Wappen offiziell in Geltung.
Das neue Stadtwappen wird folgendermaßen blasoniert:
Halbrundschild auf grünem Grund, darin in Gold: Ansteigende Ringmauer, vorn in der Mitte mit offenem rundbogigem und bedachtem Portal, darin ein stehender Schlüssel nach (heraldisch) rechts gewendet. Über der Ringmauer: Stadtabbreviatur mit befenstertem spitzbedachtem, in einem Kreuz endenden Mittelturm, flankiert von zwei befensterten, haubenbedachten Türmen. Auf dem Schild: okkerfarbene Krone aus zweistufiger Zinnenmauer und drei befensterten, gleich hohen Türmen, in der Mitte mit geschlossenem rundbogigem Tor in Gold.
Die Ikonographie des Wappens führt auf direktem Wege zurück ins 13. Jahrhundert, in die Zeit der erzbischöflich sanktionierten Stadtwerdung und Siegelaneignung. Das Bild zeigt in bemerkenswerter geschichtlicher Kontinuität eine komplex aufgebaute Stadtarchitektur und - selten genug in der modernen Kommunalheraldik - sog. Beiwerk zum Wappenschild, hier: die sog. corona muralis, d.h. die dreitürmige Zinnenmauerkrone, die als eine Modeerscheinung vor dem Ersten Weltkrieg anzusprechen ist: Auch die aufstrebenden Ruhrgebietsstädte Buer, Herne und Osterfeld schmückten im frühen 20. Jahrhundert ihr Wappen mit einer solchen Mauerkrone.
Ursprünglich stammte dieser Schmuck aus der rheinisch-französischen Kommunalheraldik der napoleonischen Zeit und wurde vom Preußischen Heroldsamt im 19. Jahrhundert weiterentwickelt (auch Douai, die erste Partnerstadt Recklinghausens, führt bis heute eine gewölbte Mauerkrone im Wappenschild): Große Städte zierten sich gerne mit einer fünftürmigen corona, kleinere Städte hingegen begnügten sich mit einer dreiteiligen Mauerkrone. In den mittleren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts geriet dieser Usus jedoch massiv unter Druck: Die völkisch-nationalsozialistische Heraldik sagte diesem ‚welschen’ Zierat den Kampf an - nicht so im Ausnahmefall Recklinghausen, wo sich die schöne Mauerkrone bis heute erhalten hat. Die Farbkombination aus Metall (Gold) und den Tinkturen Grün bzw. Ocker ist ebenfalls nicht weit verbreitet, vorherrschend sind bei Gold ansonsten die Tinkturen Rot und Schwarz.
Dr. Matthias Kordes, Stadtarchiv Recklinghausen